Feuerwehr: Neubau des Gerätehauses im Visier

In Owingen werden die Weichen für die Zukunft der Feuerwehr gestellt. Wehr und Gemeinde haben den Neubau des Gerätehauses im Visier. Bei der Hauptversammlung wurde außerdem Michael Siber offiziell verabschiedet. Er war mehr als 20 Jahre Abteilungskommandant der Feuerwehr in Hohenbodman gewesen.


 Gleich in mehrerer Hinsicht ist die Feuerwehr Owingen dabei, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Mit allen Mitteln versuchen die freiwilligen Einsatzkräfte der Kommunen derzeit, Verstärkung zu gewinnen und damit ihre Schlagkraft in Notfällen zu erhalten. Die Owinger Wehr ist hier mit Mitmachabenden neue Weg gegangen – mit ersten Erfolgen, wie Kommandant Matthias Pasewaldt bei der jüngsten Hauptversammlung deutlich machte.

Nicht weniger wichtig sind allerdings auch die Infrastruktur, die Ausrüstung und die Geräte der Feuerwehr. Ganz oben auf der Liste steht der Bau eines neuen Gerätehauses. Schon seit mehreren Jahren grübelt die Gemeinde über den richtigen und möglichst zentral gelegenen Standort dafür. Einen entscheidenden Schritt vorangekommen ist die Owingen Ende des vergangenen Jahres. Für einen ordentlichen sechsstelligen Betrag habe die Kommune das Raiffeisengebäude im Ortszentrum kaufen können, meldete Bürgermeister Henrik Wengert einen wichtigen Vollzug. Nach Abriss des alten Gebäudes soll nahe der Kreuzung Nikolausstraße und Haupstraße ein Neubau für die Feuerwehr entstehen. Später könnte das benachbarte derzeitige Feuerwehrhaus der grünen Mitte der Gemeinde zugeschlagen werden. Doch das ist im Moment noch Zukunftsmusik.

Zunächst hat sich ein Gremium zur Vorbereitung der Planung des Neubaus formiert, dem neben dem Bauausschuss des Gemeinderats einige Vertreter der Feuerwehr angehören. Am 25. März und am 1. April sind zu einer ersten Orientierung zwei Besichtigungsfahrten vorgesehen, um aktuelle Konzepte kennenzulernen. Dann geht es an eine Abgleichung des Bedarfs und der Wünsche der Feuerwehr mit den Kosten. „Ich hätte schon noch gerne einen Entwurf in diesem Jahr“, erklärte Bürgermeister Henrik Wengert.

Nur was man kennt, unterstützt man. So könnte man die Strategie der Owinger Feuerwehr zur Gewinnung neuer Mitstreiter überschreiben. Die kreisweite Werbekampagne hatte Owingen im vergangenen Jahr noch mit besonderen eigenen Ideen weiterentwickelt, wie Kommandant Matthias Pasewaldt rekapitulierte. „Bauzaunbanner und plakative Werbematerialien reichen nicht aus, um neue Kräfte für die Feuerwehr zu gewinnen“, betonte er.

Unter dem Motto „Kommen – Schauen – Anfassen“ organisierten die Verantwortlichen einen Aktionsabend zum Mitmachen und luden dazu 500 Adressaten mit persönlichen Briefen ein. Die Resonanz war zwar nicht gerade euphorisch. „Doch zwölf Personen kamen und haben die vorbereiteten Stationen auch ausprobiert“, sagte Kommandant Matthias Pasewaldt. Und immerhin drei seien der Abteilung Owingen beigetreten und beginnen jetzt ihre Grundausbildung. Pasewaldt zog Bilanz: „Alles in allem ein beachtlicher Erfolg, auf dem man aufbauen kann. Wir bleiben dran!“ Der Mitmachabend soll in diesem Jahr daher auf jeden Fall wiederholt werden.

Als verlässlicher Partner, ja als „Allroundwaffe“ der Gemeinde bei der Gefahrenabwehr bezeichnete Kreisbrandmeister Henning Nöh die Feuerwehr, die natürlich auch gesellschaftliche Verpflichtungen habe. Das sei gute Tradition und „so soll es auch weiter sein“. Obwohl heutzutage immer mehr verrechtlicht werde. Bisweilen werde schon gefragt: „Müssen wir ausrücken? Steht das im Feuerwehrgesetz?“ Soweit dürfe es nicht kommen. Die Feuerwehr sei auch eine Improvisationstruppe. „Nicht alles steht geschrieben, was wir tun.“ Der Owinger Wehr traute es Nöh zu, dass „ihr stets den gesunden Menschenverstand einsetzt“.

 

Feuerwehrjahr in Namen und Zahlen

  • Einsätze: Die Feuerwehr hatte im vergangenen Jahr 23 Einsätze zu leisten. Darunter waren zehn Brände und 13 technische Hilfeleistungen. Dass es insgesamt weniger zu sein scheinen als im Jahr zuvor (26 Einsätze), lag lediglich daran, dass 2015 noch neun Insekteneinsätze dokumentiert waren, für die Feuerwehr jetzt nicht mehr zuständig war.
  • Beförderungen und Ehrungen: Zum Oberbrandmeister befördert wurde Andreas Möhrle (Owingen), Brandmeister ist jetzt Michael Dreher (Billafingen). Franziska Matzner (Owingen) darf sich Löschmeisterin nennen. Für 40 Jahre Dienst wurden Rainer Braunwarth, Werner Janisch, Norbert Möhrle und Wille Weschenmoser mit einem Ehrenzeichen Gold ausgezeichnet.
  • Verabschiedung: Offiziell verabschiedet wurde der Abteilungskommandant von Hohenbodman. Michael Siber hatte diese verantwortliche Funktion mehr als 20 Jahre ausgeübt. Wer eine so lange Zeit pflichttreuen Dienst geleistet habe, dürfe nun auch etwas kürzer treten, betonte Bürgermeister Henrik Wengert und bedankte sich bei Siber mit einem Geschenkkorb. Um Hohenbodman scheint es nicht schlecht bestellt. Von den 25 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr kommen allein elf aus dem kleinen Teilort.
  • Schnell: Wie schnell man bei einem Alarm wach werden kann, schilderte Bürgermeister Henrik Wengert, der während eines Familienfestes in Berlin per SMS in den frühen Morgenstunden über einen F2-Brand am Kindergarten St. Nikolaus informiert worden war. Wenig später hatte er den Abteilungskommandanten Jürgen Franz am Telefon, der auf dem Weg zum Einsatzort war. "Ich sehe schon die Rauchsäule über dem Kindergarten", habe dieser geschildert. Noch während der Puls des Bürgermeisters gestiegen sei, habe es schon eine teilweise Entwarnung gegeben. Ein Bagger hinter dem Kindergarten habe den Rauch verursacht. (how)
Quelle: Südkurier